031 – Mehr Exposition

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[…]

»Das kann doch nicht sein?«, raunte Frederiksen, der van Veidts Schilderungen bis zum Ende gelauscht hatte und nicht begreifen wollte, was er da eben gehört hatte.

In den Jahren vor dem Tag X hatte Frederiksen an einem Forschungsprojekt gearbeitet, bei dem es darum ging, den tropischen Regenwald wieder aufzuforsten. Sie hatten mit Umwelteinflüssen und unterschiedlichen Böden experimentiert, aber am Ende brachte erst die genetische Veränderung und die Kreuzung mit anderen Arten eine nachweisbare Verbesserung. Und trotzdem musste das Projekt aufgegeben werden, weil diese neuen Züchtungen sich sehr aggressiv ausgebreitet hatten. Außerdem legten sich die Pollen schnell auf die Atemwege und führten dazu, dass einige Projektmitarbeiter mit schweren allergischen Anfällen ins Krankenhaus gebracht werden mussten.

Davon hatte Frederiksen aber nur am Rande etwas mitbekommen, denn man hatte ihn schon wieder abgezogen und auf ein anderes Projekt angesetzt. So hatte er das alles schnell wieder vergessen, bis er eben gerade die Satellitenfotos und einige Bilder von Aufklärungsdronen gesehen hatte. Diese riesige Knolle war die Beta-Variante von ReGenesis – eben jenem Projekt. Und auf einmal wurde ihm flau im Magen, denn auf einmal ergab alles, was in den letzten Jahren auf der Welt passiert war, einen Sinn. Das Projekt war nicht aufgegeben worden, wie man ihn hatte glauben lassen. Stattdessen hatte man weiter geforscht, aber warum? Es war viel zu instabil und gefährlich gewesen. Und Frederiksen hatte die Unterlagen mit den genauen genetischen Informationen unter Verschluss gehalten und bei seinem Austritt vernichtet.

»ReGenesis, Mr. Van Veidt, dieses Ding kenne ich! Das war Teil eines Projekts, an dem ich vor vielen Jahren beteiligt war.« – »Ich habe Forbes zur Rede gestellt«, übernahm van Veidt wieder das Gespräch,«Er wollte Sie benutzen, um an eine neue dritte Partei im Spiel heranzukommen, die bislang aus dem Verborgenen agiert. Eine, die sich nördlich der Quarantänezone eingegraben hat. Er hätte das niemals hinter meinem Rücken tun dürfen, ich entschuldige mich noch einmal!«

»Was tun wir jetzt?«, der Forscher blickte van Veidt mit ernster Miene an, »Irgendetwas müssen wir tun und das schnell!« »Wir sind auf Spuren eines Projekts namens Purity gestoßen. Hier wollten wir in Washington nach weiteren Anhaltspunkten suchen … sieht so aus, als hätte Purity mit Ihrem Projekt ReGenesis zu tun – vielleicht ein Nachfolgeprojekt? An was können Sie sich genau erinnern?«

Frederiksen grub tief in seine Erinnerungen. Die Zeit, in der er an ReGenesis gearbeitet hatte, war für ihn eine sehr Glückliche gewesen. Er und Maya hatten sich einige Monate zuvor kennen und lieben gelernt, und während sie beratend für mehrere Pharmakonzerne tätig war, verbrachte er viel Zeit mit seiner Arbeit. Dann war es zwischen ihnen zum Streit gekommen, sie hatte ihm vorgeworfen zu viel zu arbeiten, er ihr, sich an die Pharmalobby verkauft zu haben. Eins kam zum anderen und Dinge waren durch den Raum geflogen. Aber dann war der Streit purer Leidenschaft gewichen und alles schien wieder rosa Zuckerwatte. Doch so glücklich wie in ihren ersten Monaten wurden sie nie wieder.

Er kramte zusammen, was er noch an Erinnerungen finden konnte und versuchte van Veidt eine Zusammenfassung der Ereignisse zu geben. Van Veidt hörte konzentriert und ermahnte Frederiksen ein ums andere Mal, nicht zu sehr abzuschweifen, am Ende war ihm aber klar, dass sie eine Krisensitzung abhalten mussten und dass sie sowohl die neue Kalifornische Republik, als auch die Südöstliche Koalition mit an Bord nehmen mussten, sollten die Unbekannten im Norden jetzt im Besitz einer Bio-Waffe sein, die eine Gefahr für jeden verbliebenen Staat auf dem Kontinent darstellte. Es würde noch ein langer Tag werden.

[…]

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