028 – Ein anderer Blickwinkel

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Die Träume hatten nachgelassen und doch plagten Frederiksen seit seiner Einlieferung bohrende Kopfschmerzen. Waren es erst Tage, die er hier im »kalten« Entzug verbrachte? Es fühlte sich klar wie Wochen an. Und irgendwie wollte ihm niemand glauben, dass er kein Drogenproblem hatte. Bei dem kargen Krankenzimmer waren es wohl eher die fehlenden Drogen. Aber bei allem Ernst, er war sich sicher, nichts bewusst zu sich genommen zu haben.

Ab und zu begegnete ihm Maya noch, wenn er die Augen schloss. Sie sprach dann von einer Gefahr, die aus der Vergangenheit drohte, aber so richtig klar wurde ihre Botschaft nie. Van Veidt hatte sich bislang auch noch nicht blicken lassen und Amy war wohl sicher schon wieder auf Expedition. Er fragte sich ernsthaft, warum van Veidt ihn nicht einfach rausgeworfen hatte.

Doktor Randle besuchte ihn täglich, um zu kontrollieren, dass die Shangrilla-Werte seines Blutes rückläufig waren und es blieben. Ein Witz, aber einer auf Erics Kosten. Die Tür dieses heruntergekommenen Krankenzimmers war nicht verschlossen, man hatte ihm allerdings einen Aufpasser zur Seite gestellt. Ansonsten war er hier ziemlich abgeschottet, aber das war wohl der Sinn eines Entzugs. Wie lange man ihn wohl hier behalten wollte? Es war sterbenslangweilig. Außer drei Büchern, die etwa so unterhaltsam wie das Telefonbuch einer Kleinstadt waren, hatte man ihm kein Unterhaltungsprogramm gestellt. Ein Jammer, hätte er doch endlich seinen Serienmarathon an Klassikern wie CSI oder Criminal Minds beenden können.

Schon hatte er die Hoffnung auf etwas Abwechslung am heutigen Tag aufgegeben, als sich die Tür öffnete und sein reicher Gönner zur Tür herein kam. Schweigend setzte er sich auf einen Sessel, der in der Raumecke für etwas Wohngefühl sorgen sollte. Eric hatte so viele Fragen und doch zögerte er und musterte seinen Gast erstmal eingehend. Van Veidt schien ein paar schwere Tage hinter sich gebracht zu haben, soviel war sicher. Das bedeutete wohl nichts Gutes. »Sir, bitte, lassen Sie mich raus, ja?« – der alte Mann sah zu ihm herüber und sein Blick wirkte auf einmal müde: »Eric, ich muss mich in aller Form bei Ihnen entschuldigen, Sie hier festgesetzt zu haben. Ich hatte nicht alle Informationen, das hat sich jetzt geändert.« – damit hatte Dr. Eric Frederiksen eigentlich nicht gerechnet. Eine offene Entschuldigung? Aber da fehlte doch noch der Hauptteil, nämlich die Erklärung! »Warum, Sir? Was soll das Ganze hier?«

Van Veidt ließ eine bedeutungsschwangere Pause entstehen, bevor er ungerührt fortfuhr: »Ich hatte eine lange Unterredung mit Forbes, unserem militärischen Berater. Es sieht so aus, als hatte er seine eigene kleine Agenda. Und jetzt haben wir jeden Kontakt zu unserem Trupp im Feldeinsatz verloren und sehr beängstigende andere Neuigkeiten.«

Und dann begann er zu erzählen und Frederiksen hörte aufmerksam zu. Und was er da hörte, stellte Frederiksens Weltbild auf den Kopf und er musste kurz um eine Unterbrechung bitten, um das Gesagte verdauen zu können. So wie es aussah, hatte man Eric die Drogen untergeschoben, um van Veidt unter Zugzwang zu setzten, ihm den Laufpass zu geben. Frederiksen hätte als Köder fungieren sollen. Inzwischen war eine weitere Expedition nach Washington DC verschollen und der Funkkontakt seit 3 Tagen abgebrochen. Dem nicht genug, mussten sich die Suchmannschaften direkt wieder zurückziehen, weil sie auf etwas völlig Unglaubliches gestoßen waren.

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