026 – Der Moneyshot?

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[…]

Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen, als Schutt und Trümmer der Schwerkraft trotzend durch die Luft schnitten, während die gesamte Rückwand des stabilen Betonbaus nach hinten wegkippte. Angela hechtete quer über die unwirkliche Szenerie, um sich auf Amy zu stürzen und sie in Deckung zu bringen. Zwei der Marines versuchten Ähnliches mit Lieberman und Emerald, die mit offenen Mündern ungläubig zu Salzsäulen erstarrt waren. Die ersten Trümmer schlugen auf dem Asphalt in nur 2 Metern Entfernung ein und rissen tiefe Löcher in die Straßendecke.

Eine weitere Erschütterung brachte jeden noch Stehenden zu Fall, während sich der vor Sekunden noch solide Boden unter ihren Füßen verformte und aufweichte. Dann schoss etwas Blitzschnelles aus der Tiefe hervor und traf Emerald, die von der Wucht in zwei Hälften gerissen und quer über die Straße geschleudert wurde. Lieberman entkam einem zweiten Schlag, nur um Haaresbreite, aber sein Beschützer – Sergeant West – hatte weniger Glück und büßte einen Arm ein, durch den das Etwas wie ein Messer durch weiche Butter schnitt und ihn vom Körper abtrennte, während eine kurze Blutfontäne in die andere Richtung spritzte.

Ein Kreischen hatte den Platz erfüllt und verdrängte jeden klaren Gedanken. Was hier passierte, hatte niemand aus der Gruppe in seinen schlimmsten Alpträumen erlebt. Auf den dritten Hieb folgte eine weitere Erschütterung, die ein Gebäude auf der anderen Straßenseite wie Spielzeug davon fegte. Aus dem Grund schoss erneut ein weiteres Ding, das für Angela aus den Augenwinkeln wie eine Ranke aussah, dann schlug sie hart auf dem Boden auf und musste nach Luft ringen. Angela zog sich wieder halb auf die Beine und weiter in eine vermeintliche Sicherheit, während die restlichen Soldaten unter Schreien auseinander stoben und ihr Heil im Rückzug suchten. Ein weiterer Marine wurde unter etwas Wurzelähnlichem zerquetscht, das aus dem Boden an die Oberfläche drang. Weitere Bruchteile einer Sekunde später schob sich etwas Gigantisches nach oben und nahm den Platz ein, an dem eben die Polizeiwache gestanden hatte.

Amys Verstand hatte längst aufgegeben, mit der Situation umzugehen. Die Mission und sogar ihre Schwester waren vergessen. Es zählte nur noch blankes Überleben, als weitere Rankenpeitschen ihr und Angela entgegen leckten. Einer der Marines nahm das Feuer auf die Fangarme auf, traf aber nur einen Kameraden, dessen Körperpanzer die Schüsse abfing, ihn aber von den Beinen kegelte und seinen Helm wegriss.

Aus vor Unverständnis weit aufgerissenen Augen sah Amy, wie Angela etwas in ihr Funkgerät brüllte, bevor eine neue Ladung Trümmer auf sie niederging und Amys Fuß eingeklemmt wurde. Das konnte doch alles nicht passieren.

Angela versuchte sich zu sammeln, um wieder Herr der Situation zu werden und einen Ausweg aus dieser tödlichen Falle zu finden. Sie drückte sich jetzt eng an eine der letzten stehenden Wände, um nicht von weiteren Brocken getroffen zu werden. Ihr Anzug hatte schon einige Risse abbekommen, die Zeit spielte also gegen sie. Sie hatte mit letzter Kraft versucht, bei der Zentrale das »Thor’s Hammer«-Protokoll zu aktivieren, doch sie war sich nicht sicher, inwieweit man sie noch hören mochte, die Verbindung war seit dem letzten Kontakt mit der Satellitenkontrolle tot. Ob die Warnung diesem Ding gegolten hatte?

Sie orientierte sich abermals und suchte Sichtkontakt zu ihren Männern, doch die meisten schienen entweder in Deckung, geflohen oder nicht mehr am Leben zu sein. Angela seufzte und hoffe vergeblich darauf, dass der Irrsinn zu Ende ging und sie in ihrer Kabine aufwachte. In dem Moment streifte sie ein Querschläger und beförderte sie in ein dunkles Nichts. Sie fühlte sich, als würde sie schwerelos dahingleiten. Als wäre alle Last von ihr genommen. War das der Augenblick ihres Todes? Hatte es sie erwischt? Aber … da war noch so viel, das sie noch vor sich hatte. Bevor sich der Gedanke festigen konnte, verlor sie endgültig das Bewusstsein, während weitere Gebäude unter dem gigantisch Ungetüm begraben wurden oder von den Erschütterungen getroffen einstürzten. Wenige Minuten später lag das Regierungsviertel von Washington DC in Schutt und Asche.

[…]

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