025 – Der Weg der Zerstörung

chap007

[…]

Amy sah zu ihren Begleitern. Während die Soldaten mit stoischer Gelassenheit voranschritten, sah man den beiden Wissenschaftlern ihre Unsicherheit an. Lieberman, ein Mittsechziger, der sicher die meiste Zeit seines professionellen Lebens nur in einem Labor verbrachte hatte und den man das erste Mal herausgelassen hatte, Emerald bemühte sich im Gegenzug um Fassung, konnte aber den Grad der Vernichtung, dessen Zeuge sie hier wurden, nicht von sich fernhalten. Soweit Amy das durch das Visier des Anzugs erkennen konnte, standen der Enddreißigerin Tränen in den Augen.

Von den Monumenten und Statuen war kaum noch etwas übrig geblieben, vom Lincoln Memorial stand nur noch die Hälfte, während unter der anderen Hälfte ein weiterer Krater die Trümmer des Restes verschlungen hatte. Quer durch den Teich zogen sich tiefe Risse und hatten auch von der Mauer, hinter der sie sich vor wenigen Tagen versteckt hatten, kaum etwas stehen gelassen. Es war ein grauenvoller Anblick, als wäre ein Meteoritenschauer hier zu Boden gegangen und als sie an den geborstenen Ruinen der Smithsonian-Museen vorbei kamen, spürte auch Amy einen schweren Kloß, der ihren Hals zu schwellen ließ und ihr den Atem raubte.

Eine weitere halbe Stunde schlugen sie sich durch die Überreste des Infernos, ohne dass eine weitere Explosion in der Ferne zu hören gewesen war. Amy hoffte so stark, darin ein gutes Zeichen sehen zu können, aber eigentlich wollte sie nur noch nach Hause. Und sie bereute zutiefst, sich auf diese Mission eingelassen zu haben. Als sie sich dann in die Häuserschluchten vorarbeiteten und zur Polizeiwache kamen, wo man sie gefangen gehalten hatte, fasste sie sich langsam wieder und kühle Logik ersetzte fassungslose Ohnmacht. Sie hatten eine Aufgabe zu erfüllen und je schneller sie etwas fanden, desto schneller wären sie hier wieder raus.

Und zumindest hier sah auch alles noch aus, wie sie es verlassen hatten. Ein großer Teil der Ausrüstung war zurückgelassen worden, allerdings handelte es sich dabei vor allem um Gebrauchsgegenstände, die keinerlei Hinweis auf ihren Ursprung zuließen. Alle anderen Hinweise hatten sie allem Anschein nach sorgsam beseitigt. Dann zog Angela Amy beiseite. »Wir haben jetzt Zugriff auf den Satelliten für 15 Minuten. Nach was sollen wir scannen?«

Amy zog ihre Stirn in Falten. Und dann kam ihr die Lösung: »Wärmequellen in der Gegend. Wenn hier ein Labor ist, vielleicht laufen dort noch Aggregate oder andere Geräte?« – mit kurzen, kaum verständlichen Kommentaren in ihr Helmfunkgerät schickte Angela ihr Team auf dem Flugzeugträger an die Arbeit und bekam wenige Minuten später erste Ergebnisse. »Die Jungs sind zu 50% durch. Drei Hitzezonen bisher, wobei das eine ein brennendes Fahrzeug ist – muss wohl von einer Mine in Brand gesteckt worden sein, ein Lagerfeuer, das scheinen aber Plünderer zu sein und das Dritte … Moment, das Dritte ist falscher Alarm. Hat sich als Störung des Scanners herausgestellt. Sie suchen noch weiter… noch Ideen? Schnell! Wir haben nur noch 8 Minuten, bevor der Scanner außer Reichweite ist!«

Niete und nur noch eine letzte Chance. »Kann der Scanner nach elektromagnetischen Signaturen oder anderen Anomalien suchen?« – »Schon gecheckt, das Standardzeug machen die von sich aus schon. 6:23 noch!« – ging doch nichts über ein wenig Druck, witzelte sie zu sich selbst. »Weit können die nicht gekommen sein … denk nach, Amy, denk nach!«, murmelte sie zu sich selbst, während Angela sie fest im Blickfeld hielt. »Können sie nach Wasserleitungen scannen? Und ob irgendwo noch Wasser fließt? Das ist doch ein Botanikprojekt. Wenn es da noch was zu finden gibt …« – »Okay, Wasserleitungen …habt Ihr das? Oh und der Wärmescan war negativ. Nur noch ein paar Tiere in der Gegend unterwegs, die anscheinend immun gegen die Pollen sind, oder sich gut versteckt haben! Suchen sie hier weiter!« – Sie wand sich ab und konzentrierte sich nun vollkommen auf das Gespräch mit den fernen Technikern.

»Gunnery-Sergeant, wir haben einen Satelliten und keine Wünschelrute. Noch 3 Minuten 15, bis das Fenster sich schließt!« – die Stimme von Zak Lamm war angespannt, wie Angelas auch. Der Satellit war ihre beste Chance etwas zu finden. Aber wonach suchen! – »Könnt Ihr nochmal den Hitzescan machen, ob sich da was verändert hat?« – »Sir, wozu, Sie verschwenden teure Satellitenzeit!« – »Tun Sie’s! Sonst fällt mir nichts mehr ein …«, ein letzter Strohhalm, oder eine Schnapsidee, aber die Suche ihrer Männer hatte bislang außer eine Menge an zurückgelassenen weil größtenteils durchweichten Proviant nicht hervor gebracht. Und auch sie wollte hier schnell weg. »Wie schon gesagt, Sir, nicht … halt, da ist etwas … Hubert, bekommen Sie das größer?« – »Lamm, was haben Sie gefunden?« – ein Knistern durchzog die Verbindung, bevor der Gegenüber wieder klar war. »Porter, hören Sie mich? Machen Sie, dass Sie da wegkommen! Es kommt etwas auf Sie zu! Es ist …« Rauschen legte sich auf den Äther und schnitt die Verbindung endgültig ab. Angela fluchte laut! »Was ist los?«, Amy kam gerade von einem der hinteren Büroräume zurück.

»Sieht so aus, als wären wir nicht mehr alleine. Anscheinend kommt die Gegenseite zurück! Los, los, los, packen Sie zusammen und dann nichts wie in Deckung!« – routiniert versetzte sie ihre Marines in Marsch und in wenigen Minuten waren alle möglichen Beweise gesichert und der Trupp vor dem Gebäude versammelt. Dass es inzwischen völlig still geworden war, war niemanden aufgefallen. Alle waren zu sehr mit ihren jeweiligen Aufgaben beschäftigt gewesen. Sogar der Regen hatte aufgehört und es war nur noch ein kaltes, braunes Rauschen zu hören und die Soldaten, die sich nacheinander fertig meldeten. Angela hatte gerade noch den Befehl zum Verstecken im Nachbargebäude gegeben, als ein lautes Knacken, das ihr durch Mark und Bein fuhr, die Stille durchbrach. Im nächsten Moment stürzte das Nachbargebäude ein und plötzlich war die Hölle los.

[…]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *