024 – Die Rückkehr ins Ungewisse

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Kapitel 7 – Projekt Purity

Bereits am nächsten Morgen war der Hubschrauber tief von Südosten über den Potomac River eingeflogen, um nicht erneut ins Fadenkreuz zu geraten. Statt die Gruppe direkt im Regierungsviertel nahe des Zielortes abzusetzen, landete die Maschine nur kurz auf der Theodor-Roosevelt-Memorial-Bridge, die über Little Island ins Zielgebiet führte. Davor hatten sie über einen der letzten Spionagesatelliten die Lage des Minengürtels identifiziert. Die Bilder waren 24 Stunden alt, sie rechneten aber nicht damit, dass ihre Freunde seitdem neue Minen ausgelegt hatten, vielmehr hatte das Zielgebiet wieder so friedlich gewirkt, wie man es von einer Geisterstadt erwartete.

Neben Amy, die diesmal den zivilen Part der Operation anführte, waren noch zwei andere Wissenschaftler mitgenommen worden. Dr. Oswald Lieberman war Humanbiologe und sollte Frederiksens Platz einnehmen, der in San Diego zurückgeblieben war. Außerdem war Dr. Lisbeth Emerald, eine Molekularbiologen, für das Sammeln von Proben und zur Dokumentation an Bord. Mit beiden hatte Amy vor der Mission nur einige wenige Worte gewechselt, sie waren ihr erst an Bord der USS Lexington vorgestellt worden, denn beide waren aus van Veidts Forschungskomplex in Corpus Christi zu ihnen gestoßen. Außerdem hatte man ihnen diesmal ein Duzend gut ausgebildeter und mit Augmented Reality Screens ausgerüsteten Marines zur Seite gestellt, die genaue Karten und die Lage jeder einzelnen Mine in ihren Head Up Displays angezeigt bekamen. Sie waren mit schweren automatischen Schnellfeuergewehren des Typs Harrington B12, einem experimentellen Prototyp, ausgestattet. Man wollte diesmal nichts dem Zufall überlassen und die drei Wissenschaftler so gut wie möglich absichern.

Das Wetter war an diesem Tag ein wenig trübe, aber so der Wetterbericht sich nicht irrte, sollte bis Mittag die Wolkendecke aufbrechen und für etwas Sonnenschein sorgen, denn es war ansonsten schwülwarm. Doch kaum hatte der Hubschrauber wieder abgehoben, setzte ein prasselnder Dauerregen ein, der sie über den gesamten Marsch begleitete. Aber das sollte ihnen nur recht sein, schließlich konnten die Scharfschützen dadurch auch schlechter sehen, bzw. treffen.

Amy zog die Kapuze ihres Schutzanzugs noch einmal fest. Das, was da auf sie herabregnete, war konzentrierter Tod, sollten die Schutzanzüge nicht dicht halten, enthielt er doch alle aus der Luft gewaschenen Pollen. Angela, die im Rang des Gunnery Master Sergeant die Marines anführte, ließ sie in Formation vorrücken. Der Satellit sollte in einer halben Stunde auch wieder in Position sein, um ihnen erweiterte Telemetriedaten zu liefern. Dieser kleine Ausflug musste van Veidt ein Vermögen kosten, war doch ein derartiger Aufwand bislang unnötig gewesen. Sicher hatte er auch den einen oder anderen Gefallen von der Neuen Kalifornischen Republik einfordern müssen.

Jetzt kamen sie langsam zur Brücke und Angela hob die Faust, um den Trupp anzuhalten. Etwas stimmte hier schon wieder ganz und gar nicht! Auf ihrem Helmdisplay konnte sie ganz klar die Positionen der Minen sehen, aber überall dort waren nun Krater. Als hätte jemand alle Mienen ausgelöst. Von Ferne schallte eine weitere Explosion und ging fast im Rauschen des Regens unter. Aber das konnte doch nicht der Regen sein? Oder wer sollte sonst gezielt die Mienen sprengen? Weiter ging es und das gesamte Areal war von Kratern übersät. Da war aber jemand sehr gründlich vorgegangen oder hatten ihre Freunde die Minen noch geräumt? Aber innerhalb von 24 Stunden? Ein ganz schöner logistischer Aufwand, für den eine ganze Armee an Bombentechnikern notwendig gewesen wäre.

Der Regen ließ nach und wurde zu einem leichten Nieseln, die Explosionen in der Ferne schienen sich direkt vor ihnen zu befinden. Wer immer das war, war nicht weit entfernt und aus den Erfahrungen des ersten Besuchs in der Metropole hatte sie wenig Lust herauszufinden, wer das war und warum er es tat. Und ob Freund oder Feind war ihr dabei egal. Vielmehr wollten sie die Ruinen, in denen man sie gefangen gehalten hatte, nach Spuren untersuchen. Dort in der Nähe musste das Labor von Projekt Purity gewesen sein. Hoffentlich hatte man etwas zurückgelassen.

[…]

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