018 – Das Ding

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[…]

Schwer nach Luft ringend kam Thomas wieder zu sich. Seine Lungen rasselten bei dem Versuch, sich gegen die allergische Reaktion seines Körpers zu stemmen. Bei dem Sturz musste er die Atemmaske verloren haben. Verdammt! Er musste jetzt schnell handeln, um das hier lebend überstehen zu können. Wie lange er hier gelegen haben mochte, wusste er nicht, aber die Luftkonzentration der Pollen musste wieder deutlich über dem Schwellenwert liegen. Wenn er nicht schnell etwas gegen seine Atemnot unternahm, würde er elendig ersticken.

Die letzten Energiereserven mobilisierend und gegen eine erneute Ohnmacht ankämpfend zog er eine Notfallspritze mit Adrenalin aus der Tasche. Keine Zeit, die Einstichstelle zu desinfizieren. Aufbäumend rammte er sich die Spritze so kraftvoll, wie es sein Zustand zuließ, in den Oberschenkel. Dann ließ er sich auf den Rücken zurücksinken, um auf die Wirkung des Präparats zu warten, die sich auch wenige Augenblicke später mit schnell ansteigendem Puls und Herzrasen einstellte. Binnen Millisekunden war sein Kopf wieder völlig klar und er auf den Beinen, sich zittrig in alle Richtungen umschauend.

Das Ding, das seinen Wagen in den Boden gerammt hatte, war nirgends zu sehen. Alles war zu schnell gegangen, um genau zu sehen, was es war, aber es musste ein Tier gewesen sein, wenn gleich es dafür verdammt nochmal viel zu groß gewesen war. Viel größer als ein Grisley Bär – wenn auch er zugeben musste, noch keinen in natura erlebt zu haben, sondern sie nur aus Biologiebüchern aus der Schulzeit kannte.

Seine Atemmaske lag einige Meter weiter. Ihr Visier war geborsten. Damit würde er nicht mehr weit kommen. Er fluchte, nahm die Maske auf, lief zu den Überresten seines Wagens und holte einen ziemlich verbeulten Verbandskasten hervor. Notdürftig dichtete er das Glas mit Pflastern ab, denn die Wirkung des Adrenalins ließ langsam nach. Auch fühlte sich sein Brustkorb an, als hätte ihn ein Tieflader überfahren. Mit der provisorischen Maske auf dem Gesicht sah er sich erneut um, konnte aber keine Bewegung ausmachen.

Seine Hand tastete nach seinem Funkgerät, um resigniert festzustellen, dass es den Sturz nicht überstanden hatte. Nachdem hier niemand mehr zu sein schien, blieb seine einzige Hoffnung, sich zum Basiscamp am Hafen durchzuschlagen. Das war eine ganz schöne Strecke, doch mit etwas Glück konnte er es in ein paar Stunden schaffen. Er schätze, dass es 12 Meilen sein mochten, also gute 3-4 h, wenn er gut vorankäme. Die Wracks von Fahrzeugen, die die Straßen dieser Geisterstadt säumten, waren alle seit Jahren nur noch leere Hüllen, geplündert um alles, was einen noch so geringen Wert gehabt haben mochte. Er seufzte, aber er musste zurück und Bericht erstatten und er hoffte inständig, dass das, was auch immer er da getroffen und was dieses ganze Chaos angerichtet hatte, möglichst weit weg wäre. Auf ein erneutes Treffen legte er wahrlich keinen Wert.

Mit großer Vorsicht und Zurückhaltung durchsuchte er das Umfeld noch nach brauchbarer Ausrüstung und machte noch eine Taschenlampe, zwei Magnesium Fackeln und einen nicht angebrochenen Verbandskasten aus. Damit sollte er die nächsten Stunden ja wohl auskommen. Inzwischen brach die Wolkendecke etwas auf und ließ einen Spalt Abendsonne durch die Straßen streifen und für einen kurzen Moment vergaß er fast, wo er hier war und die Stadt kam ihm nicht mehr ganz so trostlos vor. Doch schnell wischte er die Gedanken beiseite und fokussierte sich wieder auf die jetzt friedlich wirkende Umgebung. Das würde noch ein ganz schöner Marsch werden.

Ende Kapiel 5

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