017 – Reinheitskontrolle

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[…]

Als der Jeep knappe 10 Minuten später vor dem Institut hielt, stand dort bereits ein Hummer mit offenen Türen – so als ob, wer immer ihn verlassen hatte, es in Eile getan hatte. Die große Glasfront war geborsten, daran konnte er sich von seinem gestrigen Besuch gar nicht erinnern. Langsam zog er seine Waffe aus dem Holster und näherte sich dem Eingang. Schon von weitem sah er dicke Pollen durch die Lobby schweben, er sollte also unbedingt seine Atemmaske mitnehmen, die noch immer auf dem Beifahrersitz lag.

Etwas Großes war hier passiert. Der komplette Empfangsbereich war verwüstet, die Aufzugtüren mit unmenschlicher Wucht aus den Angeln gerissen. Was auch immer hier geschehen war, hier oben war niemand mehr. Er sah blutige Striemen am Boden, als hatte es einen Kampf gegeben. Ein Blick in die Tiefe des Aufzugsschachts führte nur in tiefes Nichts. Er beschloss, besser doch das Treppenhaus zu nehmen. Nervosität ließ seine Hände schwitzen, während er sein Funkgerät immer fester umschloss: »Jemand auf Empfang? Ich bin jetzt im Institut …« – keine Antwort aus dem rhythmischen Rauschen des Äthers. »Hallo? Purity Kommando? Noch auf Empfang?« – immer noch Schweigen. Mit einem krampfigen Gefühl im Magen drückte er sich gegen die Wand des Treppenhauses. Ein kurzes Innehalten nutzte er, um in die Stille hineinzuhören. War da jemand oder etwas? War ein Tier hier eingedrungen? Vom Grad der Zerstörung, die sich auch auf den unteren Stockwerken fortsetzte, hätte er mehr auf eine ganze Horde getippt.

Sein Puls beschleunigte sich weiter, je tiefer er in die Laboratorien vordrang. Gestern war der ganze Komplex von bald 100 wissenschaftlichen Mitarbeitern bevölkert gewesen. Jetzt sah das hier eher nach Bombeneinschlag aus. Schreibtische waren wie Spielzeug durch den Raum geflogen, Trennscheiben zerborsten. Die Sprinkleranlage war hier angesprungen und sorgte für einen nassen Film auf dem Boden, während ein allgegenwärtiges Alarmlicht, den Komplex in flackerndes Rot tauchte.

Vorbei an ausgelehrten Mülleimern, aufgebrochenen Schränken, zerfetzten Laborkitteln und zerbrochenem Glas gelangte er endlich ins Allerheiligste. Doch auch hier hatte jemand oder etwas die schwere Panzertür aus den Angeln gerissen und quer über den Gang geschleudert. Dahinter lagen die zerstörten Probenbehälter, die sie aus Washington geborgen hatten, ebenso wie die im ganzen Raum verstreuten Papiere, die vor wenigen Stunden noch ordentlich abgeheftet waren.

An was wurde hier nur geforscht, die paar Proben, die sie hierher begleitet hatten, konnten kaum diesen Grad an Vernichtung und Chaos mit sich gebracht haben, oder etwa doch? Thomas Magen machte einen Satz, als er aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahrnahm. Er schluckte schwer, als er den Körper vom Deckenventilator hängen sah. Das Visier seiner Atemmaske beschlug. Reflexartig wich er zurück, während er sich die Sicht frei wischte.

Er hatte genug gesehen, außerdem war niemand hier. Sich nach alle Seiten absichernd bahnte er sich den direkten Weg nach draußen, nur um unvermittelt eine Erschütterung zu spüren, gefolgt von einem Knall. Er musste hier um jeden Preis schnell weg. Was immer das hier ausgelöst hatte, er wollte es möglichst schnell in seinem Rücken wissen.

Vor dem Gebäude stand da nur noch sein Wagen, der Hummer war verschwunden! Moment, nicht verschwunden, der Wagen hing gut 10 Meter höher in der Fassade. Thomas sprang in den Wagen, kämpfte den Schlüssel ins Zündschloss, ließ den Motor aufheulen und drückte das Gaspedal durch. Doch der Wagen bewegte sich keinen Milimeter. Dann sah er es im Rückspiegel und schrie von Unglauben und Panik erfasst, während seine Reflexe ihn gleichzeitig die Tür aufreißen und sich aus dem Wagen fallen ließen, kurz bevor dieser mit unmenschlicher Kraft zerschmettert wurde. Halb stolpernd kam er auf die Beine und gab Fersengeld. Nur weg hier. Er rannte, bis er atemlos und erschöpft nach Luft lechzend auf die Knie fiel und auf dem Asphalt hinschlug. Dann umfingen ihn Schwärze und eine tiefe Nacht. Eine erlösende Ohnmacht rettete seinen Verstand, der nicht verarbeiten konnte, was er da eben gesehen hatte. Dann nichts mehr!

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