012 – Abschlussbericht einer erfolgreichen Operation?

chap004

[…]

»Also, Soldat? Berichten Sie!« – »Mission erfolgreich, Verlust von 4 Leben, einem Hubschrauber und 3 Schutzanzügen. Nachhaltige Verletzung eines weiteren Expeditionsteilnehmers.« – »Und das Missionsziel?«, er sah sie durchdringend an. Eine kurze Stille, bevor sie im Flüsterton fortfuhr: »Sie hatten Recht! Die waren wegen Projekt Purity in Washington. Sieht so aus, als wären unsere alten Freunde zurück.« – sie atmete kurz tief ein und aus: »Ob Schneider die undichte Stelle war, ist nicht zu 100% erwiesen, ich rate weiter zur Vorsicht!«

Forbes vergrub das Gesicht in den Händen: »Er war ein guter Mann. Ich hätte seinen Namen gerne reingewaschen. Haben Sie sonst noch etwas gefunden?« – »Ja, das hier«, sie hob langsam eine schwarze Medaille an einer Silberkette in die Höhe. »Der gegnerische Trupp stand wohl unter dem Kommando von Raymond Burr, einem ehemaligen Black Ops Mann, der früher im Auftrag der Regierung die Kohlen aus dem Feuer holte.« – »Haben Sie Frederiksen diskreditiert?«

Sie hielt kurz inne: »Es war nicht ganz einfach, aber er selbst zweifelt sogar an sich. Nur das Vertrauen des alten Mannes scheint ungebrochen.« – »Das hatte ich erwartet.« Einen Moment meinte Angela ein Funken Triumph in den Augen des Gegenübers zu sehen, doch schon Momente später war die Miene wieder ganz und gar ausdruckslos und Angela war sich nicht sicher, ob sie sich nicht geirrt hatte. »Wir müssen zügig mit unserem Plan fortfahren, damit unsere Freunde von der Westküste uns nicht in die Quere kommen können, Angela. Ich muss nicht betonen, dass es hierbei keinen zweiten Platz gibt, oder?« – der Blick des alten Mannes schüchterte sie ein: »Sir, ja, Sir!« – »Dann treten sie bitte weg! Bis morgen 0900«. Militärisch zackig salutierten beide und Angela ließ die Baracke hinter sich.

Sie hatte sich in ihrem Leben immer auf ihr Bauchgefühl verlassen können, aber diesmal war sie sich das erste Mal unsicher, ob ihr Vorgesetzter das Richtige tat. Als Kind war Forbes ein väterlicher Freund gewesen, der Porters Karriere mit einer schützenden Hand begleitet hatte – allerdings immer mit dem nötigen Abstand, um ihr das Gefühl zu belassen, es aus eigener Kraft geschafft zu haben. Nach den Irrungen und Wirrungen des Untergangs hatte Forbes sie angeheuert, um die Nummer 2 der Sicherheit bei van Veidts Unternehmung zu werden – nach Schneider. Mit seinem Ableben war sie automatisch ein Karrieretreppchen nach vorne gerutscht und vielleicht war es das, was ihr Unbehagen brachte. Sie hatte die Beförderung verdient, aber es blieb ein fahler Geschmack. Sie kannte Schneider ebenfalls eine ganze Weile, und in ihm konnte und wollte sie einfach keinen Veräter an der Sache sehen.

Die Missionsbesprechungen mit Forbes fanden immer an den unterschiedlichsten Orten statt, die schwer bis gar nicht abgehört werden konnten. Das notwendige Quäntchen Paranoia hatte Forbes wohl aus den Zeiten des Kalten Kriegs und Eisernen Vorhangs bekommen. Der heute 86igjährige war eine Instanz und trotz des Alters noch ziemlich rüstig. Aber das Spiel, das er angefangen hatte, war gefährlich. Und sollte van Veidt etwas von den Extratouren mitbekommen, den sein Sicherheitsberater als eine Art graue Eminenz im Hintergrund steuerte, war schwer einzuschätzen, wie es enden würde.

Van Veidt im Gegenzug – ebenfalls ein rüstiger Rentner – stellte mehr den väterlichen Typ dar, der aber sich mit harten Entscheidungen schwertat. Vielleicht ergänzten van Veidt und Forbes sich deshalb so gut. Oder sie würden eines Tages der Untergang des anderen sein. Wie auch immer es enden würde, die andere Seite, die jetzt im Besitz der Daten von Projekt Purity war, musste aufgehalten werden. Und auch wenn laut Forbes Weltsicht die Mission ein Erfolg gewesen war, so fühlte es sich eher wie eine Niederlage an.

Angela setzte sich ans Steuer ihres Jeeps, der geduldig auf dem Parkplatz des Flugfeldes auf sie gewartet hatte. Mit Schwung pfefferte sie ihren Seesack mit Habseligkeiten auf den Rücksitz und drehte den Schlüssel im Zündschloss, um den Motor kurz aufheulen zu lassen. Doch bevor sie losfahren konnte, sah sie aus den Augenwinkeln Dr. Amy Anderson auf sie winkelnd zulaufen. »Können Sie mich in die Stadt mitnehmen? Habe meine Mitfahrgelegenheit verpasst …« – wortlos, aber freundlich winkte Angela die Forscherin zu sich rüber und öffnete Ihr die Beifahrertür. Die Fahrt begann.

[…]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *