010 – Willkommen zu Hause

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Kapitel 4 – Willkommen zu Hause

Der Flug war lang und wenig erholsam. Die Wolken rauschten an ihnen vorbei, als die kleine Antonov durch den Himmel schnitt. Von hier aus sah die Welt in Ordnung aus. Frederiksons Armstumpf sprach eine andere Sprache. Er sah gedankenverloren aus dem Fenster. Eine Infusion hing an seinem verbliebenem linken Arm.

Als er sich wieder zurück ins Bewusstsein gekämpft hatte, realisierte er, wie viel Glück die drei verbliebenen Expeditionsteilnehmer gehabt hatten. Das war alles viel zu knapp gewesen. Am Ende war ihm vieles bewusst geworden. Zum Beispiel, dass sich seine Selbstwahrnehmung massiv von der Außenwirkung unterschied. War er ein Junkie? Er hatte dieses »Shangrilla«-Zeug nie bewusst genommen und doch sprach alles, was er in den letzten Tagen an Träumen erlebt hatte, genau dem, was diese Droge aus ihren Anwendern machte. War der Schmerz aus der Vergangenheit so groß gewesen? Hatte er sich nicht mehr anders helfen können?

Er wusste es nicht. Und konnte den anderen beiden nicht in die Augen sehen. Und auch das mit seinem Arm ergab noch nicht wirklich einen Sinn für ihn. Was hatte er diesem Soldaten nur angetan, dass ihn dazu getrieben hatte, Frederiksen zu verstümmeln. Und wer hatte ihre Pläne verraten? In diesem Moment setzte sich ihm van Veidt gegenüber. Der alte Mann, der ihn vor 4 Tagen auf diese Mission geschickt hatte, strahlte trotz allem eine Aura der Ruhe aus. Als wäre das alles hier unvermeidbar gewesen und niemand Schuld an dem Debakel.

»Nein, seien Sie nicht zu hart zu sich! Ihre Mission war kein völliger Fehlschlag. Wir konnten die undichte Stelle identifizieren. Es war Schneider.« – Frederiksens verwirrter Blick begegnete van Veidts, »Ich habe es mir auch nicht vorstellen können, aber die Söldner, die Ihnen begegnet sind, gehörten zu seiner alten Einheit.« – »Warum sollte er sich dann aber selbst in die Luft jagen? Wie ein Selbstmörder kam er mir gar nicht vor.«

»Geplant war das sicher nicht, aber für seine Auftraggeber praktisch. Es deutet vieles darauf hin, dass er Sie bewusst in deren Arme getrieben hat. Erinnern Sie sich an die Scharfschützen? Sie haben niemanden getroffen oder?« – »Ich… ich habe ehrlich gesagt nicht darauf geachtet.« – »Die Telemetriedaten sind eindeutig! Er ist losgerannt, bevor der erste Schuss fiel. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie Sie wollten, Eric. Wir haben eine Transmission aufgefangen, dass die Gruppe Daten eines Projekts namens Purity aus einem geheimen Labor geborgen haben, und Ihr Name wurde genannt. Jetzt versuchen unsere Analysten mehr über dieses Projekt in Erfahrung zu bringen. Sie können sich nicht zufällig erinnern, ob Ihnen dieses Projekt schon einmal untergekommen ist, in Ihrer Zeit in Washington?« Frederiksen seufzte und versuchte tief in seinen Erinnerungen zu graben, doch die Schmerzmittel ließen das nicht zu. »Es tut mir Leid, Sir, ich kann mich nicht erinnern, je von irgendetwas Derartigen gehört zu haben. Vielleicht war es aber auch das, weswegen mich der Soldat angefallen hat? Und er hat mich einfach nur verwechselt?«

Van Veidt schüttelte langsam den Kopf: »Bestimmt nicht. Dafür sind Sie zu präzise vorgegangen. Wer auch immer diese Aktion geplant hat, hat Zugriff auf die gleichen, wenn nicht sogar mehr Datenquellen wie ich. Und wie Sie wissen, gibt es fast nichts, das lange vor mir verborgen bleibt. Sie sollten sich aber erstmal etwas schonen – das mit Ihrem Arm tut mir Leid!« – »Und mir, dass ich mich anscheinend zugedröhnt zu haben scheine … dieses Zeug hat meinen Verstand ganz schön vernebelt und durcheinander geworfen.« – Jetzt nickte der alte Mann, dessen weiße Haare und Vollbart ihm einen großväterlichen Touch gaben. Ein Fiepen aus der Decke läutete die Anflugsphase ein. Endlich wieder zurück in San Diego.

[…]

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