008 – Die Große Flucht

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Kapitel 3 – Die Flucht

Raymond gähnte und schaffte es nicht mehr rechtzeitig die Hand vor den Mund zu halten. War ihm aber eigentlich auch egal. Schaute ja eh keiner zu. Eine gute halbe Stunde müsste er noch wach bleiben. Dann vielleicht noch eine Runde um den Block joggen, mit Rex, seinem German Sheppard, der bestimmt schon ganz aufgeregt auf sein Herrchen wartete. Seit dem großen Niedergang hatte er alles verloren, aber Rex begleitete ihn schon sein halbes Leben.

Sie waren immer unterwegs und reisten von Stadt zu Stadt. Ein ziemliches Nomadenleben, aber schon als Marine hatte er nie ein wirkliches Zuhause gehabt, nur die Truppe. Und was sie hier taten, war wichtig. Sie leisteten ihren Teil, die Welt wieder aus der Scheiße zu holen – und er hatte viele Dinge tun müssen, die seiner persönlichen Moral zuwiderliefen. Aber Disziplin war der Schlüssel und das Einzige, das die Truppe zusammenhielt. Und für das große Ganze mussten Grenzen überschritten und Freiheiten aufgegeben werden. Und er hatte es auf die Fahne geschworen. Und vieles gehörte zum Überleben, in dieser unwirklichen Welt. Zumindest waren ihre Missionen abwechslungsreich – naja, bis auf diese hier. Das Minenfeld auszulegen, um den Bunker von Projekt Purity zu sichern, okay, aber seitdem hatten sie hier eine ganze Woche verbracht. Dann war ihr Proviant zu Ende gegangen – nach 17 Jahren gab es auf 100 Meilen nichts, das nicht schon vor Jahren geplündert wurde. Und die Flora war so aggressiv geworden, dass auch die Fauna es nicht überlebt hatte. Dann hatten sie Gefangene gemacht. Er war nicht stolz auf sich, aber es gab Dinge, die hatten getan werden müssen. Und morgen um 800 hatten sie ihre Mission abgeschlossen. Die Projektdaten von Purity waren gesichert und diese Wissenschaftler aufgegriffen. Wurde auch Zeit – die Moral begann schon zu bröckeln.

Er hatte Seargant Emanuel nur knapp davon abhalten können, diesen Frederiksen zu zerfleischen. Dass er einer der Projektmitarbeiter an Purity gewesen war, und damit in Augen vieler ein Monster, machte es schwierig, für Frederiksens Sicherheit zu sorgen. Wurde Zeit, dass sie hier rauskamen. Ansonsten mochte er den Nachtdienst. Die meisten seiner Kollegen waren entweder mit den Abreisevorbereitungen beschäftigt oder versuchten noch etwas Schlaf zu bekommen. So hatte Raymond Barry Ruhe und übernahm gerne Mal die Bewachung der Gäste.

Doch unvermittelt hatte sich etwas verändert, und seine Sinne fokussierten sich wieder voll auf die Aufgabe. Er sah sich im leeren Gang um, doch da war nichts. Oder doch? Das Licht auf dem Gang flackerte kurz auf. Für einen Moment wollte er sich wieder beruhigt zurücklehnen. Das war sicher nur der portable Generator, der mal wieder nach einer Behandlung mit der Zange fragte. Ein weiterer, diesmal längerer Flackerer… diesmal wollte er es wohl wirklich wissen. Bis dann plötzlich mit einem Funkenschlag das Licht ganz verlöschte und Raymonds Körper in Kampfstellung sprang. Er griff an seinen Gürtel und verdrehte die Augen … Fackeln, warum hatte er keine Magnesiumfackeln mehr am Gürtel? Langsam und ohne einen weiteren Laut bewegte er sich rückwärts, während sich seine Augen ganz langsam an die Dunkelheit gewöhnten und sich aus dem Schwarz Schatten schälten. Hatte er da gerade eine Bewegung ausgemacht? Wo waren die anderen? Die mussten doch jetzt auch im Dunkeln sitzen … von ferne hörte er ein paar Soldatenflüche.

»Wer da? Identifizieren sie sich!« – mit einem unhörbaren Ausfallschritt bewegte er sich zur Seite. Jetzt war er sich sicher, da vor ihm bewegte sich etwas. Und wäre das ein Soldat gewesen, so hätte er sich längst gemeldet. Aber wie waren die Flüchtigen aus dem abgeschlossenen Raum entkommen oder wie hatten sie einen Kurzschluss herbeigeführt? Vorsichtig griff er in seine andere Tasche und betätigte vorsichtig den Taster seines Funkgeräts – ein Geheimcode, den sie für solche Notfälle vereinbart hatten. Eine schnelle Bewegung in der Dunkelheit und er brach bewusstlos zusammen. Während von ferne laute Rufe auf seine Position zugerannt kamen.

[…]

 

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