004 – Spontaner Plottwist & wie man aus der Nummer wieder raus kommt…

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Kapitel 2 – Gastfreundschaft

Ein großes Nichts schwirrte um Frederiksens Kopf herum. Und die Wirklichkeit hatte drei Salti rückwärts absolviert. War er nicht eben in einem verfallenen Büro überwältigt worden? Jetzt saß er auf einer Wiese und Maya neben ihm. War das eine Erinnerung? Aber er konnte sich partout nicht entsinnen, wann das gewesen sein sollte. Außerdem hatte er sein jetziges Alter. Nur Maya sah aus wie an dem Tag, als sie sich das letzte Mal gesehen hatten. Als sie gestritten hatten, eine Blumenvase quer durch den Raum geflogen und er wütend aus dem Hotelzimmer gestürmt war. Jetzt saßen sie nebeneinander auf weichem Gras und die Luft duftete wunderbar nach Blumen. Es fühlte sich so real an, wie früher, eben nur, dass er kein Asthma, keinen Heuschnupfen oder sonst eine Regung seines Immunsystems spürte. Ein Traum, wie bedauerlich.

»Das ist kein Traum, Eric, das ist das hier und jetzt!«, schön, seine Phantasie wollte ihm einreden, real zu sein. »Aber wie kannst du hier sein? Du bist damals verschwunden. Die ganzen Jahre kein Lebenszeichen und du willst dich nicht verändert haben? Und wo ist hier?«, er spürte Wut in ihm aufkeimen und das, obwohl das alles um ihn herum sich mehr wie ein entspannendes Wachkoma anfühlte.

»Du bist in Gefahr! Sie wollen Dir nichts Gutes! Und Du musst zusehen, dass Du schnell hier wegkommst!« – kryptisch und wenig hilfreich. Wenn ihm sein Unterbewusstsein schon Botschaften schicken wollte, warum dann nicht verständliche? Doch dann nahm er ein Vibrieren der Welt um ihn herum war.

»Wer bist Du! Was willst Du?«, sprach eine gottartige Stimme von überall her, während Maya’s Blicke immer weiter in Sorgen verfielen: »Antworte nicht! Sie wollen Dir schaden! Wehre Dich!« Ja, das fühlte sich alles verdammt nochmal wie ein LSD Trip an. Er wusste, warum er nach seiner ersten Erfahrung auf einer Studentenparty die Finger von dem Zeug gelassen hatte.

Irgendetwas in ihm wollte aber antworten. Wollte sagen, dass er einen USB-Stick mit den Frachtpapieren aus dem National Archiv gesucht und gefunden hatte und damit den Aufenthaltsort der … nein, nein, nein, das wollte er doch gar nicht sagen! Oder hatte er es nur gedacht. Er verkrampfte und kämpfte jetzt dagegen an, während Maya ihn beschwörend in die Augen sah! Nein, er musste hier weg. Alles begann sich zu drehen, als die Stimme die Fragen wiederholte. Schwankend taumelte er den Hügel herunter und schrie: »Nein!« Dann fiel er auf die Knie, begann zu würgen und die Welt um ihn herumverwelkte. Maya und die Wiese verschwanden. Aus dem Blumengeruch wurden Erde und Finsternis. Etwas riss ihn nach oben und ließ seinen Körper bersten, nur damit er erneut in ein tiefes Nichts versank und unvermittelt realisierte, dass er auf dem Rücken lag und sich nicht bewegen konnte.

Verschwommen bildeten sich Umrisse, die langsam immer klarer wurden, bis er ein Gesicht ausmachen konnte, von der die große Stimme erneut die Fragen auf ihn regnen ließ. Und dann war er wieder klar und prustete etwas Schleimiges heraus, das seine Atemwege verklebt hatte. Ein kurzes Gefühl zu ersticken, dann war sein Kopf endgültig wieder im Hier und Jetzt und der Trip machte klassischen Kopfschmerzen Platz. Der Mann mit Mundschutz sah Frederiksen tief in die Augen und leuchtete kurz mit einer Stablampe hinein: »Schwester, sedieren! Es hat nicht funktioniert. Bringt ihn zurück in den Wartebereich! Vielleicht haben wir bei den anderen mehr Glück!«

Ein Stich – und alles begann vor seinen Augen wieder zu zerlaufen und wohlige Schwärze umfing ihn.

[…]

 

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