001 – Aller Anfang

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Kapitel 1 – Auf Schatzsuche

Schweiß und Plastik stachen ihm seit einer gefühlten Ewigkeit in die Nase, während der Anzug selbst ihm kaum Bewegungsfreiheit ließ. Und die Gurte, in die man ihn vor Beginn des Flugs festgezurrt hatte, taten ihr Übriges. Fast beneidete er den Trupp Marines, die mit ihm im Hubschrauber Richtung Washington City unterwegs waren, denn Ihre Biokampfanzüge sahen deutlich komfortabler aus, als dieses gelbe Unding, mit dem er sich herumschlagen musste. Aber er war ja nur Ladung, dafür zuständig vor Ort den kleinen Trupp anzuleiten und für Fachspezifisches Rede und Antwort zu stehen. Und Klugscheißen, das konnte er nur zu gut.

Damit hatte ihn Maya immer aufgezogen. Damals – in der guten alten Zeit – als die beiden noch in ihrem kleinen Apartment in Boston wohnten. Vor dem Tag X. Bevor sie und Millionen von Amerikanern verschwanden, als sich Mutter Natur alles zurückholte, was ihr der Mensch in Jahrhunderten abgeronnen hatte. Wie lange war das jetzt wieder her? 15 Jahre? Nein, 17 Jahre schon! Ein dunkles Kapitel, das die Welt, wie er sie kannte, für immer verändert hatte.

Doch der Tag X war nicht der Anfang vom Ende gewesen. Begonnen hatte alles schon viel früher. Bereits Ende des letzten Jahrhunderts hatten Allergien und der sogenannte Heuschnupfen immer mehr zugenommen und von Generation zu Generation litten immer mehr Menschen daran. War es doch eigentlich nur eine Überreaktion des Immunsystems, das Feuer schrie, wo keines war und der Körper wurde in Alarmzustand versetzt. Frederiksen selbst hatte schon als Junge starkes allergisches Asthma und musste täglich Kortison inhalieren, um noch aus dem Haus gehen zu können. Heute war die Konzentration in der Luft so hoch, dass man in Teilen der USA nur noch mit schwerem Gerät und Schutzanzug vor die Tür gehen konnte.

Viele Städte mussten evakuiert und die Bevölkerung in küstennahe Regionen oder gleich in den Süden umgesiedelt werden, wo Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit den ganzen “Dreck” aus der Luft filterten. Metropolen, wie Washington, Kansas City oder Seattle waren Geisterstädte geworden und inzwischen dick von Grün durchwuchert. Quarantänezonen waren errichtet worden und dehnten sich inzwischen über den ganzen Norden der USA und ganz Kanada aus. Die südlichen Küstenmetropolen wie Miami oder San Francisco waren von gigantischen Zeltstädten umsäumt, wo die “Glücklichen”, die es noch rechtzeitig aus den Krisengebieten geschafft hatten, ein ärmliches Dasein fristeten oder mehr oder weniger vor sich hin vegetierten.

Viele Jahre hatte Frederiksen mit sich gerungen, ob Biologie nicht vielleicht doch der falsche Studiengang für ihn gewesen war. Heute war er einer der gefragtesten Freelancer, wenn es darum ging, sich sicher in Quarantänezonen zu bewegen. Reich hatte es ihn noch nicht gemacht, aber dank seines wohlhabenden Gönners und Auftraggebers durfte er eines der heißbegehrten Penthäuser in San Diego bewohnen. Alleine, trotz der ganzen Zeit dachte er immer noch viel an Maya. Sie fehlte ihm.

“Machen Sie sich bereit, wir sind gleich da!”, riss die Stimme von Gottfried Schneider Frederiksen aus seiner Gedankenflucht. Der hünenhafte Söldner führte die Gruppe der Soldaten an, die Frederiksen und seine Kollegin bei ihren Exkursionen begleitete.

[…]

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